Genealogische Notizen

Familienforschung kann spannend sein wie ein Kriminalroman. Wir möchten Euch teilhaben lassen an den aufregenden Geschichten, die wir in Kirchenbüchern und Archiven ausgraben. Taucht ein mit uns in vergangene Epochen und rätselhafte Verwicklungen, historische Lebensumstände und die Geschichte einer Region, die es heute so nicht mehr gibt: das frühere Ostpreußen.

Montag, 29. Oktober 2012

Mehr als 21.000 Ahnen online

Ich habe meinen Datenbestand bei GENEANET aktualisiert. Derzeit sind dort weit mehr als 21.000 ordentlich miteinander verknüpfte Einzelpersonen aus fast 500 Jahren Familiengeschichte in Ostpreußen öffentlich einsehbar. Nur die Daten der noch Lebenden bzw. der nach 1900 Geborenen bleiben aus Datenschutzgründen für die Allgemeinheit verborgen, können aber bei nachvollziehbarem Interesse angefragt werden.
Startseite: http://gw5.geneanet.org/viktorh_w
Direktlink zur Namensliste:
http://gw5.geneanet.org/viktorh_w?lang=de&m=N&tri=A&pz=herbert+viktor&nz=haupt&ocz=0
Es gibt verschiedene Suchfunktionen und die Möglichkeit, im Bestand von einer Einzelperson zu anderen Verwandten im näheren Umkreis weiterzuspringen.

Ich bin nicht mit allen Personen dieses Bestandes direkt verwandt. Aber es gibt immer eine mehr oder weniger weitläufige Verbindung: Geschwisterlinien, die Verwandten von angeheirateten Tanten oder Onkeln, die Verwandtschaft der zweiten Ehegatten und was sonst noch denkbar ist - alles, was ich habe finden können, wurde ordentlich einsortiert und verknüpft. Gelegentlich führen gleich mehrere verschiedene Verbindungen zu einer bisher noch nicht erschlossenen Familie.

Der größte Anteil des Bestandes stammt aus dem Samland, der halbinselartig in die Ostsee ragenden Region nördlich von Königsberg mit den atemberaubend schönen Steilküsten, den Bernsteinvorkommen und der wunderbaren Kurischen Nehrung. Begünstigt durch das Erscheinen von etlichen sogn. Ortsfamilienbüchern, die sämtliche Kirchenbuchdaten einer Gemeinde fertig ausgewertet enthalten, konnte ich den Datenbestand in dieser Größe ausdehnen (Infos zu Ortsfamilienbücher des Samlandes: http://www.plew.info/ofb_allgemein.htm ).

Aber auch aus den Kreisen Preußisch Eylau, Bartenstein, Gerdauen und darüber hinaus gibt es viele Familien. Insbesondere in der Stadt Schippenbeil, in den Kirchspielen Löwenstein, Landsberg, Canditten fokusierte sich meine Forschung.

Durch die große Breite der erfaßten Daten ist es möglich, z.B. die komplexen Verwandtschaftsbeziehungen, das Beziehungsgeflecht der Samländischen Cöllmerfamilien und Prußischen Freyen über mehrere Generationen und Jahrhunderte genauer zu verfolgen. Wer ist wann mit wem wie verwandt? Um nur einige Beispielnamen derjenigen zu nennen, die jahrhundertelang ihre Höfe, Mühlen oder Krüge im Samland bewirtschaftet haben: Wenck, Supplieth, Wessel, Naudieth, Glagau, Kobbert, Manneck, Bloech / Bloeck, Trunz, Tolnay, Santrau, Peterson, Wetzker, Schadwinkel, Bombien, Gromball, Brausewetter, Thorun, Schweichler, Kadgien, Lengnick, Legien, Hermenau, Wangnick ...

Auch bekanntere Persönlichkeiten sind mit ihren Genealogien in meinen Bestand eingebunden: der Maler Lovis Corinth und die Grafikerin u. Bildhauerin Käthe Kollwitz. Geben Sie einfach mal neugierig die Namen in die Suchmaske bei Geneanet ein und verfolgen Sie die Familienverbindungen: ein genealogisch-kulturhistorischer Datenspaziergang.

Ich freue mich über Nachfragen, Kommentare und Ergänzungen. Auch wenn Sie eine Verwandtschaft zu den genannten Personen nur ungefähr vermuten können, fragen Sie mich bitte. Möglicherweise habe ich noch ergänzende Daten "in der Schublade", die bisher noch nicht eindeutig verknüpft werden konnten und Sie haben möglicherweise die fehlende Verbindung.  Insbesondere solche Daten, die heute mangels Quellen nicht mehr recherchiert werden können, in persönlichen Familienpapieren aber noch irgendwo überliefert sind, könnten an anderer Stelle schmerzhafte Lücken schließen und werden ganz besonders gewertschätzt.

Genealogie lebt von einer guten Kommunikation und einem aufmerksamen Austausch. Ich hoffe, daß mein Beitrag eine hilfreiche Basis dafür bildet. Der Datenbestand wird ständig weiter entwickelt. Es lohnt sich in größeren zeitlichen Abständen immer mal wieder nachzusehen, ob nicht doch mal Namen aus der eigenen Verwandtschaft dabei sind.

Nachsatz am 31.10.2012:
Ich wurde zwischenzeitlich mit sehr kritischen bis verärgerten Meinungen hinsichtlich meines veröffentlichten Datenbestandes konfrontiert. Einige, die in meinem Bestand ihre Ahnen wiederfinden, fühlen sich in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt. Andere Kommentare werfen mir vor, ähnlich wie ein von und zu Guttenberg Daten übernommen zu haben, ohne auf die Provenienz hinzuweisen. Ich schmücke mich eitel mit "fremden Federn" und stelle mich hier groß heraus auf der Basis von Leistungen anderer.

Jedem, der nur einmal in ein Kirchenbuch geschaut hat, um dort mehr über seine Vorfahren herauszufinden, muß klar sein, daß ich diese Anzahl von Daten niemals alle in mühsamer Kirchenbuchrecherche allein hätte zusammentragen können. Folgende Quellen habe ich in Ergänzung zu eigenen Kirchenbuchrecherchen genutzt:
  1. Der Datenbestand ist vor allem deswegen so umfangreich geworden, weil für die Region des Samlandes mittlerweile eine beachtliche Anzahl an Ortsfamilienbüchern herausgebracht worden sind, auf die ich habe zurückgreifen können, um eigene Datenbestände zu vervollständigen. Siehe Hinweis und Link weiter oben. Zur Bedeutung und Umfang von Ortsfamilienbüchern siehe hier: http://www.blogger.com/blogger.g?blogID=3690742252612508392#editor/target=post;postID=7447752192357778241
  2. Ich habe darüber hinaus die Veröffentlichungen der Reihe "Altpreußische Geschlechterkunde - Familienarchiv"durchgesehen, um Familiengeschichten kirchspielübergreifend in einem größeren Zusammenhang darstellen zu können. Ausgangspunkt waren immer eigene Recherchen und Funde aus Kirchenbüchern, die jedoch nur Bruchstücke eines bedeutenderen, größeren Ganzen geblieben wären, wenn ich nicht auch in den APGs gesucht hätte. Link zu den APGs der Reihe Familienarchiv: http://www.vffow-buchverkauf.de/schriftenverzeichnis/apgnf.php
  3. Mein Datenbestand ist seit vielen Jahren online zu sehen und auch deswegen kontinuierlich gewachsen, weil ich zahlreiche Rückmeldungen zu einzelnen Familien mit teilweise weitausgreifenden Ergänzungen erhielt. Diese Ergänzungen haben gelegentlich zur Folge gehabt, daß ich bisher noch unverknüpfte Daten aus meinen früheren Kirchenbuchrecherchen anbinden konnte. In meinem Bestand sind Quellverweise eingearbeitet und teilweise mit Links zu eMail-Adressen und Webseiten versehen. Ich bin besonders berührt und begeistert, wenn über solch einen regen Austausch unvermutet klar wird, daß es sich um eine weitläufige Verwandtschaft handelt (z.B. Cousin/Cousine 5. Grades).
  4. Die "dürren" genealogischen Daten habe ich, wo immer es ging, durch Informationen aus Sekundärquellen (Berliner Staatsarchiv) ergänzt: Prästationstabellen nennen Besitzgrößen und lassen unlogisch erscheinende Erbfälle nachvollziehbar werden; Hausbücher und andere Akten geben Kunde von Besitzerwerb, aber auch Schuldenlast und Verlust; Gerichtsakten können andere spannende Details enthalten.
Aus welcher Quelle ich auch immer geschöpft habe - Kirchenbücher, genealogische Fachpublikationen, Rückmeldungen von Nachfahren - es bedurfte dennoch in jedem Fall einer gewissenhaften Prüfung, logischen Verknüpfung und korrekten Eingabe der Daten. Selbst wenn man "nur" abtippt, braucht man dafür ganz schön viel Zeit und Energie.

Gewöhnlich kennen wir geradlinige Stammbäume, die die jeweiligen Eltern, Großeltern, Urgroßeltern undsoweiter einer Ausgangsperson darstellen. Dadurch entsteht leicht der Eindruck von Exklusivität: das ist mein Ururururur-Großvater. Oft bleibt völlig unbekannt, wieviele anderen Nachfahren eben dieser Ururururur-Großvater noch gehabt hatte. Wenn nun jemand einen seiner Ururururur-Großväter bei mir findet und darauf besteht, daß das nicht "mein" Verwandter sein kann, weil es ja "sein" 5Ur-Großvater ist, und was der bei mir zu suchen hätte und er möchte aber nicht, daß ich ihn ohne seine Zustimmung online sichtbar mache, dann bin ich erstmal fassungslos und habe ein Problem: wie soll ich damit angemessen umgehen?

Ich bitte an dieser Stelle um Einsicht und Verständnis, daß ich bei Ahnen aus dem 17., 18. oder 19. Jahrhundert keine "exklusiven Eigentumsrechte" anerkennen kann. Ähnlich wie bei Werken eines Goethe, Schiller, Storm oder Fontane kann es mit einem größeren zeitlichen Abstand keine Verletzung von Persönlichkeitsrechten geben. Der Ahn "gehört" allen Nachfahren und einer interessierten Gemeinschaft. Anders sieht es aus mit Personen, die nach 1900 geboren wurden. Solche Personen sind zwar in den Daten enthalten, bleiben in meinem online-Bestand jedoch verdeckt. Wenn ich Nachfragen erhalte, die eine Weitergabe von solchen vertraulich behandelten Daten betreffen könnten, leite ich die Anfragen an jene Nachfahren weiter, die dazu in Bezug stehen. Bei meinen eigenen direkten Verwandten entscheide ich positiv, wenn der Fragesteller ein ernsthaftes, berechtigtes Interesse glaubhaft machen kann. In der Regel freue ich mich sehr, wenn durch die heutige Informationstechnik seit Generationen unterbrochene Kontakte (in der Regel durch die Kriegsfolgen) wieder aufgenommen werden können.

Es dürfte jedem genealogisch Interessierten mit ostpreußischen Vorfahren bekannt sein, wie schwierig ein Einstieg in die Recherche wird, wenn in der eigenen Familie gerade mal bekannt ist, wer die Großeltern waren, die vielleicht um 1890-1920 geboren wurden. Die meisten ostpreußischen Kirchenbücher sind aber nur bis 1874 überliefert. Und oftmals gibt es für die Zeit von 1874 bis 1945 keine Standesamtsregister und gar nichts mehr an genealogisch verwertbaren Fakten. Ich hatte das Glück, daß ich in meiner Familie auf alte erhalten gebliebene Ahnenpapiere aus Vorkriegszeiten stieß. Ich bin besonders glücklich, wenn ich Informationen erhalte, die Quellenlücken schließen helfen und nachvollziehbar werden lassen, wie sich Familien von 1874 bis 1945 weiterentwickelt haben.

Abschließend fasse ich zusammen:
In meinen Datenbestand gelangen nur Personen und Ahnenlinien, die ich logisch mit bereits vorhandenen Familien verknüpfen kann. Alle online stehenden Daten stehen in einem Bezug zueinander. Es ist keine lose Namenssammlung!
Mir geht es ganz besonders darum, kirchspielübergreifende Familienverbindungen möglichst umfassend mit allen Nebenlinien darzustellen und die oft jahrhundertelang mit einer beachtlichen Energie betriebene "Heiratspolitik" nachvollziebar werden zu lassen. Wie hält man ein Familiengut über mehrere Jahrhunderte in einer Familie? Wie arrangiert man sich bei Generationenwechseln mit Schwiegersöhnen, mit eingeheirateten Stiefvätern und deren leiblichen Kindern? Was passiert mit Waisenkindern, deren Eltern vielleicht zu früh in der Großen Pest 1709-10 umkamen und deren Vormünder sich in den Folgejahren am Familienbesitz bereichern? Wie ging man seinerzeit mit Familienmitgliedern um, die durch ihr Verhalten den Besitzstand und Weiterexistenz der Familie gefährdet hatten (schlecht geführte Wirtschaft, wachsende Schuldenlast, Trunksucht)?  Das sind alles interessante Fragen, die sich aus eindimensionalen Einzelstammbäumen kaum herauslesen und erst recht nicht beantworten lassen. Wir sind heutzutage nicht mehr auf Karteikarten und ellenlange Papierrollen angewiesen, um die Vorfahrendaten darzustellen. Diese damaligen Verfahren ließen eine solche großräumige Erfassung und Darstellung, wie ich sie hier betreibe, gar nicht zu. Mir geht es nicht um eine glanzvolle Selbstdarstellung vermittels einer beeindruckend großen Anzahl von Ahnen. Ich erhoffe mir von diesem ständig weiter wachsenden und ordentlich gepflegten Bestand Erkenntnisgewinn und Vernetzung der vielen Einzelinformationen zu einem größeren Gesamtbild - nicht nur für mich allein, sondern für ALLE an ihren ostpreußischen Vorfahren Interessierten.

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