Genealogische Notizen

Familienforschung kann spannend sein wie ein Kriminalroman. Wir möchten Euch teilhaben lassen an den aufregenden Geschichten, die wir in Kirchenbüchern und Archiven ausgraben. Taucht ein mit uns in vergangene Epochen und rätselhafte Verwicklungen, historische Lebensumstände und die Geschichte einer Region, die es heute so nicht mehr gibt: das frühere Ostpreußen.

Sonntag, 16. August 2015

Die HAUPTs in Schippenbeil

Familiengeschichte(n) mit einigen Unbekannten

Die Vorfahren, von denen wir unseren Familiennamen haben, stammen aus dem ostpreußischen Städtchen Schippenbeil. Die Kirchenbücher der St.Michaelis-Kirche reichen bis ins Jahr 1654 zurück, enthalten jedoch bis 1723 keine Angaben zu den Müttern bzw. Ehefrauen. Nur gelegentlich wird in einem Taufeintrag mal eine Mutter mit dem Vornamen erwähnt. In der Regel läßt der Vater sein Kind taufen, dann sind die Paten angegeben und das wars. Erst ab 1723 gibt es Trauregister und Sterberegister (teilweise in furchtbarster Schrift, chaotischen Streichungen, einige Seiten Fließtext ohne Punkt und Komma, die Seiten sind von oben bis unten ohne Rand und Leerzeilen dicht vollgekrakelt, so dass Ober- und Unterlängen eng ineinandergreifen und sich zu einem fast unentwirrbaren Muster verschlingen). Und erst ab ca. 1723 werden in den Taufeinträgen durchgängig alle Mütter mit Vor- und Geburtsnamen genannt. Außerdem gibt es eine Lücke in den Taufeintragungen von 1694-99.

Trotz dieser widrigen Umstände ist es gelungen, den Tuchmachermeister Thomas HAUPT eindeutig als unseren Urahn zu identifizieren. Von mir aus betrachtet, ist er mein Urururururururur-Großvater (kurz: 8Ur). Er tritt im Dezember 1662 das erste Mal in Erscheinung, als er seine Tochter Catharina taufen läßt. Bis 1674 folgen noch weitere 6 Kinder. Unter den Taufpaten werden oft die Herren Caplane, Organisten, Cantoren, Rectoren oder deren Ehefrauen genannt. Mitglieder der Familie Engelbrecht, die seinerzeit häufig Ratsherren, Richter und Bürgermeister stellte, kommen ebenso vor. Das läßt den Schluß zu, dass sich Thomas HAUPT mit seinem Gewerbe und sicherlich auch mit seiner Persönlichkeit einen anerkannten Status in der Stadt geschaffen hatte. Wen er als Ehefrau an seiner Seite hatte, wann er starb, bleibt unbekannt, denn die entsprechenden Kirchenbücher, die Trau- und Sterberegister fehlen für diese frühen Jahre.

Auf einer Bürgerliste von 1621 taucht unser Familienname HAUPT nicht auf. Entweder waren die HAUPTs seinerzeit noch keine Besitzer und Bürger, sondern lebten irgendwo zur Miete. Ohne Grundeigentum konnten sie keine Bürger werden, den erforderlichen Bürgereid nicht leisten und tauchten logischerweise nicht in Bürgerlisten auf, die gleichzeitig auch den Besitzstatus differenziert benennen. Oder es gab im Jahr 1621 noch keine HAUPTs in der Stadt Schippenbeil. Siehe auch http://www.genealogischenotizen.blogspot.de/2014/11/schippenbeil-einwohner-1621.html

Thomas HAUPT hat zwei Söhne, die ebenfalls Tuchmachermeister werden: Andreas (1668 – 1736) und Greger (1671 - 1736). Über Andreas habe ich schon in einem älteren Beitrag berichtet: http://www.genealogischenotizen.blogspot.de/2008/10/streitigkeiten-in-der-stadt_27.html
Er wird Ältermann des Tuchmachergewerks und 1711 zum Gerichtsverwandten gewählt, was ihn zum Zeugen dramatischer Auseinandersetzungen in der Stadt werden läßt. Die genauen Umstände habe ich in der oben verlinkten Geschichte beschrieben.

Andreas HAUPT könnte mit Barbara Engelbrecht verheiratet gewesen sein. Zufällig entdeckte ich im Sterberegister folgenden Eintrag: „d. 22. Feb. 1736 Frau Barbara gebohrene Engelbrechtin, verehelicht gewesene Hauptin, 80 Jahre alt, an der Verstopfung, in der Kirch abgesungen.“ Leider fehlt die exakte Angabe, mit welchem HAUPT sie verehelicht war. Aufgrund der Paten der Kinder des Andreas könnte man rückschließen, dass Barbara Engelbrecht die Mutter gewesen wäre. Frau Bürgermeisterin Engelbrechtin ist z.B. 1710 Patin bei der jüngsten Tochter des Andreas HAUPT. Ein knappes viertel Jahr nach Barbara ENGELBRECHT, am 18. Mai 1736, wird Andreas HAUPT begraben: „Hr. Andreas Haupt, gewesener Rahtsverwandter, 68 Jahre alt, an der Brustkrankheit.“ Irritierend ist der Alterunterschied. Noch irritierender ist jedoch die biologische Frage, wie Barbara 1710 im Alter von 54 ihr letztes Kind geboren haben soll. Oder muß man die Formulierung „verehelicht gewesene Hauptin“ dahin deuten, dass sie von einem HAUPT geschieden war? Oder war Barbara ENGELBRECHT die zweite Ehefrau des Thomas HAUPT und damit eine junge Stiefmutter des Andreas und des Greger? Ich hoffe kühn auf Zufallsfunde in Sekundärquellen, die dieses Familienrätsel vielleicht doch noch aufklären helfen.

Es geht weiter mit unklaren Verwandtschaftsbezügen:

Eindeutig gesichert ist, dass Johann HAUPT, Tuchmachermeister und Glöckner in Schippenbeil, mein 6Ur-Großvater ist. Aaaber seine Geburt ist im Taufregister des Kirchenbuchs nicht zu finden. Rückgerechnet vom Sterbeeintrag müßte er im Jan. 1694 geboren worden sein. Somit fällt seine Geburt in die Lücke der Taufeinträge von 1694-99. Wer könnte sein Vater sein? Andreas oder Greger? Ich habe kühn den älteren Andreas ausgewählt, weil dieser bereits im Feb. 1693 sein erstes Kind taufen läßt. Bei Greger habe ich den ersten Taufeintrag im August 1700 finden können. Nicht wirklich überzeugend, aber noch bleibt ja alles in der Familie...

Wenn wir schon bei Johann gelandet sind, muß ich noch seinen erschütternden Sterbeeintrag aus dem Jahr 1771 zitieren: „Herr Johann Haupt, Glöckner bey der hiesigen Kirche, auch Bürger u. Tuchmacher allhie, ein Wittwer, ist d. 19. Juli media nocte gestorben und d. 22. ejusdem mit ner Leichenpredigt beerdiget worden, seines Alters 77 Jahr 5 Monath 23 Tage u. im 42. Jahr seines Glöckneramts. Er fiel vor 3 Wochen eb. d. 26 Juni vom Thurm, u. wurde an Händen und Beinen zerstümmelt. Qui escat in pace.“ Er ruhe in Frieden.

Bei unseren Recherchen im Kirchenbuch Schippenbeil, bei denen wir mehrfach HAUPTs und Verwandte herausgefiltert haben, entdeckten wir Namensträger, die bisher nicht schlüssig mit unserem Clan verknüpfbar erscheinen. Möglicherweise haben sie gar nichts mit unserer Familie zu tun. Möglicherweise sind die Verbindungen weitläufiger.

So z. B. der Nadlermeister und Kirchenvorsteher Peter HAUPT, der rückgerechnet von seinem Sterbeeintrag um 1714 geboren sein müßte, dessen Geburt jedoch im Schippenbeilschen KB nicht zu finden ist. Sein Sohn Johann Peter HAUPT (1746-1805), Nadler, Posthalter und später Ratsverwandter in Schippenbeil heiratet 1769 eine 25 Jahre ältere Braut: Maria Barbara GROßMANN (1721-1805). Die Ehe wird nach Jahrzehnten kinderlos geschieden. 1801 heiratet Johann Peter HAUPT in 2. Ehe eine junge Braut, hat mir ihr 3 Kinder, die jedoch alle im Kleinkindalter sterben. Die erste Ehefrau, Maria Barbara GROßMANN, war die Tochter des Organisten und Gerichtsverwandten Johann GROßMANN (1682-1740) und Schwester des Pfarrers Daniel Heinrich GROßMANN (1726-1798), der Pfarrer an der Altroßgärter Kirche in Königsberg wurde und die erste Schippenbeilsche Stadtchronik (anonym) verfaßte: „Gesammlete Nachrichten von der Ost-Preußischen Stadt Schippenbeil“, Königsberg 1778. Seine Autorschaft wurde nach seinem Tode zweifelsfrei belegt. Daniel Heinrich GROßMANN hat nie geheiratet, wurde Zeit seines Lebens von seiner jüngeren Schwester Catharina Lovisa versorgt und war auch anderweitig schriftstellerisch tätig. Die älteste Schwester Regina Sophia GROßMANN (*1715) heiratet Daniel KAHL(e), Organist in Schippenbeil 1741-56 und ebendort Nachfolger seines Schwiegervaters Johann GROßMANN. Aus dieser Verbindung gehen in weiteren Generationen zahlreiche Pfarrer (KAHLE) hervor, die bis in die Neuzeit hauptsächlich in Königsberg Karriere machen. Letzter mir bekannter Namensträger: Ernst Albert Fürchtegott KAHLE, 1815-1891, 1852 Pfarrer in Caymen, 1866 Pfarrer an der Löbenichtschen Kirche in Königsberg, Consistorialrath in Königsberg.
 
 
 
Über Johann Peter HAUPT wäre noch beizutragen, dass der Minister Leopold Otto v. Gaudy *) aus Anlass einer neue zu besetzenden Stelle wegen eines Todesfalls im Stadtrat am 14. Januar 1784 folgende Mitteilung von Berlin nach Schippenbeil sendet: "...wann es uns nun zur besonderen Zufriedenheit gereichen würde, wenn der Magistrat bey der vorzunehmenden Wahl zur Wiederbesetzung dieser Stelle sein Augenmerk auf den wegen seiner vorzüglichen Rechtschaffenheit uns besonders angerühmten Bürger mit Nahmen Haupt richten solle; so habe Camera demselben dieses zu erkennen zu geben." Mit der Wahl in den Stadtrat dauert es dann doch noch ein paar Jahre, weil ein anderer Kandidat würdiger erscheint. 1789 wird Johann Peter HAUPT zum Rathsverwandten ernannt. Diese Ehre löst etwas später eine Untersuchung aus, in der man Gerüchte über verwandtschaftliche Seilschaften im Stadtrat aufzuklären hat.

Das folgende Fundstück macht die Verwandtschaftsbeziehungen um Joh. Peter HAUPT noch komplexer: "... daß die Ehegattin des Haupt mit der jetzo verehel. Zimmer vorhero verehel. gewesene Schoenwaldtin würklich Geschwister-Kinder sind und die Schwester des Bürgermeisters Kauffmann wäre an den Sohn der Frau Zimmer aus erster Ehe, an den Medicinapothequer Schoenwaldt in Elbing verehelicht ..." Das Zitat stammt aus einer Untersuchung über vermutete unzulässige Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Ratsmitgliedern und Bürgermeister in Schippenbeil aus dem Jahr 1790. Demnach müßte Maria Barbara GROßMANN, erste Ehegattin des Joh. Peter HAUPT, noch eine weitere Schwester gehabt haben, die vermutlich mit Gottfried SCHÖNWALDT (1716-78) verheiratet war (1747 Apotheker, 1754 Ratsherr, 1773-78 Bürgermeister in Schippenbeil). Der in dem obigen Zitat genannte Medicinapothequer Schoenwaldt wurde 1773 Apotheker in Schippenbeil und ging 1777 nach Elbing. Er wurde 1748 als Joh. Gottfried in Schippenbeil getauft und war das erste Kind aus der Ehe des Apothekers Gottfried SCHÖNWALDT mit Catharina Charlotte GEORGESOHN (oo Königsberg Dom April 1747), einer Apothekerstochter aus Königsberg, deren älteste Schwester wiederum mit dem Schippenbeiler Apotheker Heinrich HAGEN verheiratet war. Heinrich HAGEN übernimmt 1746 die Hofapotheke seines Schwiegervaters GEORGESOHN in Königsberg. Heinrich HAGEN war in seiner Schippenbeiler Zeit wiederum mehrfach Pate bei "unseren" HAUPTs. Wie auch immer, es bleibt unklar, mit welchem SCHÖNWALDT die oben zitierte "jetzo verhel. Zimmer vorhero verehelichte Schoenwaldtin" tatsächlich verheiratet war, denn es gab in Schippenbeil noch mindestens einen weiteren passenden SCHÖNWALDT zu jener Zeit. Auf keinen Fall kann sie die leibliche Mutter des Elbinger Medicinapothekers SCHÖNWALDT gewesen sein, wenn überhaupt, dann nur die Stiefmutter. Dieses Aktenfundstück, über dessen seltene Angaben zu Familienbeziehungen ich zunächst ganz begeistert war, macht deutlich, dass man alles genau mit anderen Quellen vergleichen muß, um die Verlässlichkeit der Angaben einschätzen zu können. Die berichtenden Zeitgenossen haben mangels genauer Kenntnis nicht immer alles richtig wiedergeben können.

Wenn wir schon bei Apothekern sind, gäbe es noch einen bemerkenswerten HAUPT zu nennen, der mit unseren HAUPTs (nach bisherigem Kenntnisstand) gar keine Verbindung hat, aber 1727 Hofapotheker in Königsberg wird:
Friedrich Gottlieb HAUPT, *März 1696 in Berlin, oo 1725 in Königsberg mit Margareta NEGELEIN (1675-1749), verwitwete Daniel HINTZ, Pfarrer in Arnau, verwitwete Christian Schnell, Hofapotheker in Königsberg. Die 21 Jahre ältere Witwe und Tochter aus einer vermögenden Kaufmannsfamilie bringt Friedrich Gottlieb HAUPT in den Besitz der Apotheke. 1740 wird er Professor extraordinaire der Chemie an der Königsberger Albertina und veröffentlicht mehrere wissenschaftliche Aufsätze über chemische Untersuchungen in lateinischer Sprache, wie das damals unter Akademikern üblich ist. Er stirbt bereits im Alter von 46 Jahren am 18.11.1742 in Königsberg. Da seine Frau bei Eheschließung bereits 50 Jahre alt war, hinterläßt Friedrich Gottlieb HAUPT keine leiblichen Kinder.

Weitere unbekannte HAUPTs in Schippenbeil:
1726 wird der Posamentierer Carolus HAUPT in Königsberg mit seiner Braut Jgfr. Regina ENGELBRECHTin, Tochter des Senators [Ratsherr] Samuel ENGELBRECHT, in Schippenbeil aufgeboten. Die Heirat soll am 23.10.1726 in der Roßgärter Kirche in Königsberg vollzogen worden sein.

1808 heiratet ein (Carl) Friedrich (Ludwig)Wilhelm HAUPT aus Schippenbeil die Demoiselle Charlotte Wilhelmine ZANDER, Tochter des Organisten Johann Ludwig Zander in Gr.Wolfsdorf. Er wird mal als Apotheker, mal als Kaufmann und/oder Gewürzkrämer bezeichnet. Es kommen 4 Kinder in Schippenbeil auf die Welt: Carl Rudolf Eduard *1809, Alexander August Heinrich *1812, Elwire Ida Augustine *1817, tot geborener Sohn */† 1821. 1821 verstirbt die erste Ehefrau, denn der Kaufmann ehelicht im gleichen Jahr Lisette Erdmann, des verstorbenen Gutsbesitzers George Erdmann aus Cabinen(?) erste Tochter. Die Heirat wird in Bischofsstein vollzogen und in Schippenbeil nur als Aufgebot eingetragen - dann verliert sich die Spur. Die Vornamen des Kaufmanns HAUPT variieren bei jedem Eintrag.

1830 heiratet ein Drechslergesell Johann HAUPT im Alter von 30 Jahren Caroline Johanna RUPPACH (34 Jahre) aus Schippenbeil. 2 Monate später wird ein erster Sohn geboren: August Ferdinand *1830. Caroline Johanna RUPPACH verstirbt 1848, hinterläßt den Witwer mit einem Sohn. Der nunmehr Drechslermeister ehelicht 1849 Marie MAECKELBURG aus Rosenort. Die MAECKELBURGs in Rosenort sind eine dort schon seit vielen Generationen ansässige Bauernfamilie mit einigen Seitenverzweigungen nach Schippenbeil. Kinder: Johann Hermann *1849, Auguste Elise *1851, Amalie Elisabeth *1853.

1843 stirbt der uns bekannte Drechslermeister Johann Christoph HAUPT (1765-1843, ein Urururur-Großonkel). Im Sterbeeintrag steht, er hinterlasse einen Sohn, jedoch ohne Namensnennung. Könnte das der obige Johann HAUPT sein? Dann stimmt aber etwas nicht mit den Heiratsangaben zu Johann Christoph: er ehelicht 1795 eine angeblich 48-jährige Witwe, die nach den üblichen biologischen Regeln in dem Alter eher keine Kinder mehr bekommen haben dürfte.

1846 heiratet ein Tischler August Gottlieb HAUPT im Alter von 34 Jahren seine Braut Caroline Wilhelmine LIEDTKE (23 Jahre) – keine Angaben zu den Eltern der Brautleute. Bisher lassen sich keine passenden Verbindungen zu uns bekannten HAUPTs finden. Kinder: August Albert *1848, Gustav Rudolph *1856, Auguste Amalie *1858, Johann Wilhelm *1862, Johanna Bertha *1865. Der Tischlermeister August HAUPT verstirbt 1866 im Alter von 53 Jahren und hinterläßt die Witwe mit 7 Kindern. Da haben wir wohl doch noch einige Kinderchen im Kirchenbuch übersehen.

1859 heiratet Seilermeister August HAUPT (*um 1830) seine Braut Friederike WÖMPNER (*1829). Er könnte der erstgeborene Sohn aus der Ehe Johann HAUPT mit Caroline Johanna RUPPACH sein. Kinder: Emma Maria Louise *1860 – verstirbt nach wenigen Tagen, Bertha Elise Friederike *1861-1862, Auguste Louise Friederike *1863, Ida Adeline *1868, Ernst August *1873.

1864 heiratet ein Bäcker Wilhelm HAUPT, eine Witwer von 24 Jahren (!), seine 17 Jahre alte Braut Louise SCHWAAK aus Thorms. Kinder: Olga Henriette *1865.

Ernst August HAUPT, der einzige Sohn des oben genannten Seilermeisters August HAUPT, tritt nach 1900 als Spediteur in Schippenbeil in Erscheinung. Mit seiner Ehefrau Wilhelmine STOBBE hat er folgende Kinder: Erna Lydia Gertrud *1905, Johannes Paul Erich *1908 und wahrscheinlich noch einige mehr, die aus Datenschutzgründen für uns aber nicht mehr zugänglich sind.


Die Stadt Schippenbeil hatte in ihren besten Zeiten kaum mehr als 2.500 Einwohner. Es ist daher erstaunlich, dass trotz dieser recht übersichtlich erscheinenden Einwohnerzahl eine gründliche Recherche so viele unklare Verwandtschaftsbeziehungen in den Fokus der Aufmerksamkeit befördert. In diesem Bericht habe ich mich hauptsächlich auf die HAUPTs konzentriert. Andere Familienzweige aus Schippenbeil weisen ebenso viele Unklarheiten auf. Die Kirchenbuchschreiber folgten keiner genau festgeschriebenen Aufzeichnungsnorm. Jeder Pfarrer folgte seiner eigenen Laune. Mal gibt es Altersangaben in den Heiratseinträgen, mal werden die Eltern genannt, mal fehlt aber auch beides. Je nach Verhältnis des Pfarrers zu seinen Schäfchen fallen die Eintragungen mal ausführlicher und mal knapper aus. Die Angaben zu Vornamen können arg variieren oder werden verwechselt, was nur aufgeklärt werden kann, wenn man alle in Frage kommenden Einträge eines Familienzweiges miteinander in Bezug setzt und alle anderen Namensträger schlüssig abgrenzen kann. Wenn man einen Familienclan ordentlich sortiert bekommen möchte, muß man den Recherchefokus so weit wie möglich fassen und nach und nach mit kriminalistischem Spürsinn Ordnung und Bezüge in die zunächst chaotisch erscheinende Datenmenge bringen.
 
Wie immer freue ich mich über Kommentare oder Anfragen insbesondere zu Schippenbeil. Möglicherweise ergeben sich neue Erkenntnisse, wenn ich aus meinen Aufzeichnungen etwas zu Ihren Daten in Bezug setzen kann.
 

Quellenhinweise:
Die erste Schippenbeil-Chronik von 1778 ist digitalisiert und nun erfreulicherweise online zugänglich: http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/30889/7/0/

Ebenso findet man die zweite Schippenbeil-Chronik von 1874 online: http://dlibra.bibliotekaelblaska.pl/Content/18272/35011.djvu Sie baut im wesentlichen auf die erste Chronik auf und enthält dann viele aktuelle Daten bis in die 1870er Jahre. Der Autor hat sehr viele Personen mit ihren Funktionen oder besonderen Tätigkeiten benannt, um möglichst viele Abnehmer für sein Werk zu finden. Dieses Buch stand auch bei einigen meiner Schippenbeiler Vorfahren im Regal, wie die beigeheftete Subscriptionsliste belegt.

Die Kirchenbücher der Stadt Schippenbeil werden im Evangelischen Zentralarchiv Berlin verwahrt, siehe hier: http://www.ezab.de/kirchenbuecher/kirchenbuch-suche.php?q=kibu/schippenbeil.html
Man muß jedoch nicht nach Berlin reisen, um in diesen Daten zu recherchieren. In jeder Forschungsstelle der Mormonen kann man Kirchenbuchverfilmungen bestellen und durchsehen.

Stammbaum HAUPT:
http://gw.geneanet.org/viktorh_w?lang=de&m=S&n=Haupt&p=
Hier findet man unsere ordentlich sortierten HAUPTs.

*) Leopold Otto von Gaudy (1728-89), Minister unter König Friedrich II. von Preußen. Unter seiner Leitung wurden zahlreiche Reformen in Preußen umgesetzt. 1785 Erhebung in den Freiherrenstand. Entstammt der schottischen Adelsfamilie Gowdy. Auf dem Jerusalemkirchhof in Berlin-Kreuzberg begraben, wo das Grabdenkmal noch zu besichtigen ist.






Freitag, 22. Mai 2015

Kant und eine Urgroßmutter aus Regehnen

Jedes Jahr bin ich Ende April zu den Kant-Tagen in Kaliningrad. Als Vorstandsmitglied der Gesellschaft der Freunde Kants u. Königsbergs trage ich dazu bei, dass das traditionelle Bohnenmahl am 22. April in Kaliningrad im internationalen Kreis gefeiert wird.

Nach dem Tode Kants im Jahre 1804 hatten die Freunde Kants verabredet, sich alljährlich zum Kant-Geburtstag zu einem Festmahl zu treffen. Seit 1805 traf man sich im Gedenken an Kant. In den Folgejahren wurde es üblich, in der Nachspeise eine silberen Bohne zu verstecken. Derjenige, der diese Bohne auf seinem Teller fand, wurde dadurch zum Bohnenkönig gekürt und übernahm den Vorsitz und die Aufgabe, im Folgejahr die Eröffnungsrede zu halten. Aus diesen Umständen wird bereits deutlich, dass man sich nicht als Trauergesellschaft zusammenfand. Das sogn. Bohnenmahl war ein würdevolles und mitunter auch feuchtfröhliches Fest von Kantfreunden und wurde in Königsberg zu einer kulturellen Tradition, die bis 1944 weitergeführt wurde.

Die Gesellschaft der Freunde Kants u. Königsbergs hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Tradtion wieder am Ursprungsort seines Entstehens zu reaktivieren. Seit etlichen Jahren findet des Bohnenmahl nun wieder in Königsberg/Kaliningrad statt. Unter den Mitgliedern der Gesellschaft befinden sich auch einige direkte Nachkommen von Kantfreunden, deren Vorfahren seinerzeit bei Immanuel Kant regelmäßig an der Tafel saßen und in intensiven Gesprächen seine Gedanken teilten. Weitere Informationen hier: www.freunde-kants.com
Nach dem offiziellen Reiseprogramm bleibe ich meistens noch einige Tage länger, besorge mir ein Privatquartier in Cranz und unternehme von dort aus lange Fahrradtouren durchs Samland. Ich „erfahre“ dann die Regionen, in denen meine Vorfahren lebten. Dieses Jahr hatte ich mir unter anderem vorgenommen, den Geburtsort einer Urgroßmutter zu erkunden: das Dorf Regehnen in der Nähe von Pobethen im mittleren westlichen Samland. Mein Bruder Martin begleitete mich.

Blick auf Regehnen von Norden (vom ehemaligen Hof Schulz aus)

Vor einigen Jahren kam ich schon einmal durch diesen Ort, wußte jedoch nicht Bescheid über die Lage der Höfe, wer wo gewohnt hatte. In diesem Jahr war ich gut vorbereitet, hatte eine Ortschronik studiert und die entsprechenden Meßtischblätter dabei. Über die Lage des Hofes der Familie SCHULZ etwas außerhalb von Regehnen gab es keine Zweifel mehr. Und dennoch, es war mühsam, die Stelle in der heutigen Realität genau zu bestimmen. Denn kein Gebäude, keine Scheune, nichts existiert mehr. Nur noch ein paar alte Linden auf einer leichten Anhöhe nördlich von Regehnen deuten auf eine frühere Hofstelle. Ob die heute vorhandene Fahrspur über eine Wiese der früheren Allee entspricht, die zu dem Hof der SCHULZens führte, bleibt unsicher. Welche Bezugspunkte stimmen noch überein mit den alten Verhältnissen? Wonach kann man sich richten bei der Suche nach der genauen
Hoflage? In dem jungen Wäldchen hinter den alten Linden finden sich Feldsteinreste, die von früheren Grundmauern stammen könnten. Es ist jedoch keine Gebäudeformation mehr erkennbar, kein rechteckiges Fundament. Alles scheint gründlich zerstört. Sicher ist, es hat hier früher einen Wohnplatz gegeben. Die hinterlassenen Spuren der auch hier aktiv gewesenen Raubgräber beweisen es: Scherben von Porzellan und Glas, verrostete Reste von Gartenwerkzeugen liegen neben ausgehobenen Gruben.

Nach einigen Stunden gründlichsten Umherstreifens verlassen wir diesen Ort hinter den alten Linden. Jetzt im Frühjahr bietet sich uns ein idyllisches Bild: überall haben sich Buschwindröschen ausgebreitet. Friedlich hat die Natur Besitz ergriffen von dem früheren Hofland.
Die Familie SCHULZ in Regehnen besaß einen Hof von 82,75 Hektar. Der letzte Besitzer hieß Hermann Ludwig SCHULZ (1854-1944) und war der älteste Bruder unserer Urgroßmutter Minna Louise SCHULZ (1863-1944).

Ausführliche Informationen zur Genealogie der Familie SCHULZ in Regehnen:

Weitere Aufnahmen von Regehnen/Dubrowka: 
ehemalige Schule 2015, jetzt Magasin/Dorfladen

Hof und Tischlerei Walter Thiel (am Haus Initialen W.T.) an der Dorfstraße



Haus an der Dorfstraße




Dorfstraße Regehnen 2011, hinten links ehemalige Schule




Schule 2011


Dorfstraße mit ehemaligem Schulgebäude